Kontakt - plötzlich muss ich wieder aktiv sein
Dieses Thema und der Umgang damit ist so individuell, wie jeder Einzelne von uns. Es gibt sicherlich viele Leute und vielleicht gehörst Du auch dazu, die sich darüber gar keine Gedanken machen. Einfach weil sie sehr kommunikativ und kontaktfreudig sind, vielleicht schon immer einen grossen Freundeskreis um sich herum hatten und überhaupt kein Problem damit haben alleine irgendwo hin zu gehen.
Aber es gibt auch die, die sich schwer tun, die es Überwindung kostet mit Anderen in Kontakt zu treten. Auch ich gehöre zu dieser Gruppe. Da ich in der Aufarbeitung meiner Themen gemerkt habe, dass es vielen Leuten garnicht bewusst ist, dass man mit diesem Thema ein Problem haben könnte (das geschieht nicht absichtlich und ist daher auch kein Vorwurf, ich denke wir Alle kennen Themen, die für uns ganz selbstverständlich sind und dann gehen wir unbewusst automatisch davon aus, dass dies bei unserem Gegenüber genauso sein muss), möchte ich an dieser Stelle Gedanken und Gefühle derjenigen sichtbar machen, die sich von diesem Aspekt der neuen Situation herausgefordert fühlen.
Während meiner Beziehung und später Ehe haben sich für mich manche Fragen einfach nicht gestellt. Es war klar, dass Jemand da ist, mit dem ich in Urlaub gehe, mit dem ich meine Sonntagsausflüge mache, der mir im Regelfall am Esstisch gegenüber sitzt, der Abends nach Hause kommt, dem ich von meinen Tageserlebnissen berichten kann, dem ich tagsüber anrufen kann, wenn es mir nicht gut geht oder auch, wenn ich einfach nur ein wenig reden möchte, der mit mir zusammen Kaffe trinken geht…
Diese Liste kann unendlich fortgesetzt werden. Ich bin mir sicher, Jedem von uns fallen hier ganz unterschiedliche Beispiele ein.
Fakt ist, es war Jemand da. Und auch, wenn die Person gerade physisch nicht anwesend war oder ich auch bewusst immer wieder etwas alleine unternommen habe, so wusste ich doch immer, dass da Jemand ist. Jemand, der mir hilft und mich auch unterstützt. Für mich verkörperte diese Tatsache ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, Angekommen sein und Ruhe.
Mit der Trennung ist diese Tatsache weggefallen. Möchte ich heute nicht alleine Kaffee trinken gehen oder wünsche mir, dass mir am Frühstückstisch Jemand gegenüber sitzt, darf ich mich im Vorfeld verabreden, darf mich bei Freunden oder Familie melden und fragen, ob sie Lust haben, dass wir etwas zusammen unternehmen. Ich bin also aufgefordert aktiv zu sein. Wenn ich ganz ehrlich bin, scheue ich, auch heute noch, immer wieder davor zurück jemand Anderen zu fragen. Ich habe mich oft gefragt warum dies so ist. Ein Punkt ist für mich, dass die Spontanität verloren geht. Eine Verabredung bedeutet eine Verbindlichkeit. Ich treffe sie heute für einen Zeitpunkt in der Zukunft. Oft ging es mir so, dass ich die Verabredung zu einem Zeitpunkt getroffen habe, in dem ich Lust auf die Aktivität hatte. Als dann der Termin da war, war die Lust weg. Mir fehlte die Möglichkeit einfach ins Wohnzimmer zu laufen und zu sagen „Komm wir gehen nen Kaffee trinken“ und fünf Minuten später sind wir unterwegs. Mittlerweile habe ich diese Situation für mich so gelöst: Entweder ich gehe gleich alleine Kaffee trinken, einfach weil die Lust auf Kaffe und rausgehen so gross ist oder ich frage spontan bei Jemand aus dem Freundes- und Familienkreis an, auf dessen Gesellschaft ich gerade Lust habe, lasse mich aber nicht davon abhalten zu gehen, auch wenn die Person in dem Moment keine Zeit oder Lust hat.
Dieser Umgang mit der Situation hat mir persönlich ein Stück Freiheit und Flexibilität zurückgegeben. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich Jemanden „brauche“ um meiner Lust auf eine entsprechende Aktivität nachzukommen.
Aber ich will auch hier ehrlich sein: Das hört sich alles gut an und klappt zeitweise auch 6 von 10 Mal. Aber 4 Mal klappt es eben auch nicht und dann bleibe ich daheim. Dass ich mich in diesen Momenten nicht verurteile oder als Schwächling ansehe, das lerne ich gerade. 😊
Und ja es gab und gibt auch Zeiten in meinem Leben, in denen klappt es „nur“ 1 von 10 Mal oder auch garnicht. Und auch das ist ok. Jede Phase hat ihre Berechtigung und bringt uns, wenn wir ihr mitfühlend und offen gegenübertreten, ein Stück weiter auf unserem Weg.
Kennst Du diese Situationen? Wie gehst Du damit um? Fällt es Dir schwer mit anderen Leuten in Kontakt zu treten?
Ich freue mich über einen Austausch zu diesem Thema und begleite Dich gerne dabei Deine „Fallstricke“ kennenzulernen und neue Wege zu finden!