Trennung - Wie bringe ich Ordnung in mein Chaos? Ganz praktisch.
Ich will es nicht schön reden. Eine Trennung verlangt uns viel ab. Auch dann, wenn wir selbst diejenigen sind, die sich für die Trennung entschieden haben und uns in vielen Bereichen jetzt vielleicht frei fühlen, kommt eine Menge auf uns zu.
An dieser Stelle möchte ich gerne auf die Begleiterscheinungen einer Trennung eingehen und das ganz bewusst ohne die Gefühle. Diese werden zu gegebener Zeit anderer Stelle in diesem Blog ihren Platz finden. Hier geht es mir um eine relativ nüchterne Betrachtung.
Weil ich der Meinung bin, dass Andere aus meinen Fehlern lernen dürfen, möchte ich Dir ganz zu Beginn gerne sagen: Übernimm dich nicht. Schaue auf deine Kraft und gönne dir Pausen. Gehe einen Schritt nach dem Anderen. Und sei nicht zu stolz um Dir Hilfe zu holen, sei es im Freundeskreis, in der Familie oder auch auf professioneller Ebene.
Natürlich ist jede Trennungssituation anders. Sind gemeinsame Kinder da oder nicht? Gehst Du einer Beschäftigung nach oder nicht? Lebt ihr in einer eigenen Immobilie oder zur Miete?
Unabhängig von den einzelnen Aspekten gibt es, nach meiner Erfahrung, jedoch übergreifende Themen, die in allen Trennungssituationen geklärt werden müssen.
Von besonderer Bedeutung sind für mich an dieser Stelle:
1. Finanzielle Situation
Hier taucht natürlich als Erstes die Frage auf: Aus welchen finanziellen Mitteln kann ich nach der Trennung meinen Lebensunterhalt bestreiten? Habe ich eine Beschäftigung, deren Lohn mir den Lebensunterhalt sichert? Habe ich einen Anspruch auf Unterhalt gegenüber meinem bisherigen Partner/meiner bisherigen Partnerin? Muss ich ggf. Sozialleistungen in Anspruch nehmen?
Die Klärung dieses Punktes ist elementar für alle weiteren Entscheidungen. Für viele Frauen ist dieses Thema immer noch ein schwieriges, was meiner Einschätzung nach damit zusammenhängt, dass Vielen plötzlich bewusst wird, wie abhängig sie eigentlich sind.
Leider löst sich das Thema nicht in Luft auf, wenn wir die Augen davor verschließen. Daher rate ich hier zu offener und ehrlicher Kommunikation. Es gibt genügend Experten, die Hilfestellung leisten können und dies auch gerne tun. Scheue Dich nicht mich zu kontaktieren. Wir können gerne gemeinsam für deine Situation schauen, welcher Weg der Beste ist. An dieser Stelle kann ich, neben meinem eigenen Erfahrungsschatz, auch auf mein Wissen aus über 10 Jahren Tätigkeit in der Sozialverwaltung zurückgreifen. Hier habe ich die entsprechenden Netzwerke und Ansprechpartner kennengelernt und weiß worauf es ankommt.
Zum grossen Bereich „Finanzielles“ gehören natürlich auch so Dinge wie: Kontentrennung, Klärung der Versicherungssituation (insbesondere Deine Krankenversicherung), Anpassung von Vollmachten, Anpassung Testament …
Das Thema ist umfangreich und nicht abschließend aufgeführt an dieser Stelle. Mir geht es darum, dass Du ein wenig sensibilisiert wirst, Dir Gedanken machst und dich informierst. Am Ende geht es darum, dass wir für das Einstehen was uns zu steht, dass wir Wissen aufbauen und dementsprechend gut überlegte Entscheidungen treffen können. Es geht nicht darum den Anderen über den Tisch zu ziehen, aber wir dürfen Selbstbewusst auftreten und brauchen uns nicht verstecken.
Und wenn das vielleicht ein Thema ist, mit dem Du Dich bisher nicht beschäftigt hast, weil das Dein Partner/Deine Partnerin übernommen hat: Trau Dich es anzugehen! Es gibt keine dummen Fragen, ausser denen, die nicht gestellt werden. Jeder noch so kleine Schritt wird Dich ein Stück weiterbringen.
2. Wohnsituation
Ebenfalls elementar war für mich die Klärung der Wohnsituation. Hier braucht es oft ein wenig Geduld. In vielen Fällen entsteht zunächst eine Übergangslösung. Du kannst bei jemandem aus Deinem Freundeskreis unterkommen oder innerhalb der Familie. Vielleicht mietest Du auch erstmal eine Ferienwohnung an. Mit einer Trennung ist bei Vielen der Wunsch da direkt auch räumlich getrennt zu sein. Dieser Wunsch ist absolut nachvollziehbar. Der räumliche Abstand hilft das erste Gefühlschaos ein wenig zu sortieren, zur Ruhe zu kommen und sich einen Überblick über die anstehenden Themen zu verschaffen. Ob Du erst einmal gehst oder Dein Partner/Deine Partnerin das darfst Du entscheiden. Mit welcher Vorstellung fühlst Du dich wohl? Natürlich bedarf es hier der Absprache. Sind Kinder im Haushalt, kann es sinnvoll sein, dass diese mit dem überwiegend betreuenden Elternteil zunächst in der bisherigen Wohnsituation verbleiben.
Nicht besonders förderlich ist, aus meiner Erfahrung, eine Wartesituation. Damit meine ich passiv zu sein und zunächst abzuwarten wie der Andere sich verhält um dann das eigene Handeln davon abhängig zu machen. Dies führt zu nichts, ausser einem Schwebezustand, in dem Du keine Kraft zum Vorwärtskommen hast.
Von daher: Auch wenn es schwer ist zu gehen, sei Dir bewusst, dass es noch nicht die endgültige Lösung sein muss. Wichtig ist, dass Du ins Handeln kommst!
Für mich war am Ende dieser Phase klar, dass ich mir eine eigene Wohnung suchen werde. Da ich bis zur Trennung in der Schweiz gelebt habe und mir klar war, dass ich den Neuanfang in meiner eigentlichen Heimat gestalten möchte, war dieser Punkt vom Bürokratischen her für mich relativ komplex.
Unabhängig davon, ob Du Dir gleich noch einen neuen Wohnort suchst oder im bisherigen Ort eine andere Bleibe, würde ich Dir an dieser Stelle empfehlen Dir einen ganz konkreten Überblick über Deine monatliche finanzielle Situation zu verschaffen. Ziel ist es herauszufinden was Dir als Mietzahlung möglich ist, denn nur so kannst Du Dich ernsthaft auf Wohnungssuche begeben. An dieser Stelle siehst Du nun auch, warum die unter „Finanzielle Situation“ aufgeführten Punkte so wichtig ist.
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wichtig ist: absolute Ehrlichkeit. Keine Ausgaben unterschlagen oder schönrechnen. Am Ende bringst Du Dich nur selbst in Schwierigkeiten.
Helfen kann es hierbei z.B. die Kontoauszüge über mehrere Monate durchzugehen und zu schauen wo das Geld hinfließt. Denk hierbei bitte auch an einmalig anfallende Beträge wie z.B. die KfZ Steuer oder die Autoversicherung. Auch ein Kostenpunkt „Freizeitaktivitäten“ sollte eingerechnet werden. Da nützt Dir nämlich die schönste Wohnung nichts, wenn Du es Dir nicht mehr leisten kannst etwas zu unternehmen!
Hast Du dann eine Wohnung gefunden und den Mietvertrag vor Dir liegen, dann schaue bitte welche Kosten werden durch den Vermieter als Nebenkosten abgerechnet? Was kommt zusätzlich auf dich zu? In der Regel ist dies der Strom sowie die Kosten für Internet, TV und Telefon. Auch wollen die Vermieter bei Anmietung der Wohnung meistens eine Kaution. Vielleicht denkst Du jetzt, das ist doch alles klar. Sei stolz auf Dich, wenn Du das alles weißt und berücksichtigt hast! Ich weiss aber, dass es viele Menschen gibt, denen das nicht bewusst ist und das ist auch ok, es war bisher einfach kein Thema für sie. Es ist nichts wofür Du Dich schämen brauchst. Die Ausführung hier soll einfach eine Hilfestellung sein um den eigenen Denkprozess anzuregen.
3. Trennung des gemeinsamen Hausstandes
Hierunter fällt dann die ganz praktische Aufteilung der einzelnen Gegenstände. Für mich war es an dieser Stelle wichtig meine Antworten auf Fragen wie
- Welche Gegenstände sind mir wichtig?
- Was habe ich, vielleicht schon aus einer früheren Wohnung oder aus meinem Elternhaus, eingebracht und möchte es wieder mitnehmen? A
- Was bin ich bereit da zu lassen? Was möchte ich evt. auch garnicht, weil es mich zu sehr an die gemeinsame Zeit erinnert?
zu finden.
Ich war an diesem Punkt sehr radikal. Mir war klar, dass ich in der neuen Wohnung keine Kopie der bisherigen gemeinsamen Wohnung möchte. Ich wollte etwas Neues erschaffen. Neben den wenigen Dingen, die ich mitgenommen habe, haben mein Ex-Mann und ich uns auf einen finanziellen Ausgleich geeinigt. So war ich frei und konnte meine eigene Wohnung neu gestalten.
Aber auch hier gibt es kein allgemeines Richtig oder Falsch. Für jeden von uns, gibt es die individuell passende Lösung.
Hast Du Fragen, andere Themen, die Dich beschäftigen oder brauchst ein wenig Hilfe? Melde Dich gerne! Meine Hilfe kann an dieser Stelle auch sein, dass wir gemeinsam Listen schreiben und Dein Chaos ganz pragmatisch ordnen. Du bringst Deine Punkte mit und ich biete Dir meine Struktur.