Sonntag  - jede Woche ein besonderer Tag

Welche Gedanken und Gefühle hast Du zu Sonntagen? Für mich waren Sonntage in der Zeit, als meine Beziehung noch intakt war, Tage, auf die ich mich sehr gefreut habe. Gemütliches Frühstück, gemeinsam raus in die Natur, gemeinsam Zeit verbringen, abends was schönes kochen oder auch mal Essen gehen. Einfach alles ein wenig entspannter und ruhiger. Und so habe ich mich auch gefühlt. Meistens zumindest.

Direkt nach der Trennung waren Sonntage für mich sehr herausfordernd. Und auch heute - drei Jahre nach der Trennung - tauchen sonntags immer mal wieder Gedanken auf, die ein Muster in mir triggern und mich auffordern bewusst einen Gegenpol zu erzeugen.
Sonntage sind in den meisten Lebensentwürfen Familientage. Das war auch in meiner Herkunftsfamilie so. Es war der Tag, an dem Alle Zeit hatten, an dem etwas mit der Familie unternommen wurde (zumindest bis zu einem gewissen Alter). So habe ich es gelernt und so habe ich es als Heranwachsende auch in meinem damaligen Freundeskreis gesehen. Auch heute sehe ich diesen Umgang noch bei Freunden, die in einer Partnerschaft leben und/oder Familie haben. 

Sonntags wird mir oft nochmals deutlicher bewusst, dass ich alleine lebe. Eine völlig wertfreie Wahrnehmung. Einfach die Erkenntnis, dass da kein Partner oder eine eigene Familie ist.
In diesen Momenten haben wir die Möglichkeit einer bewussten Entscheidung.

Wie möchte ich mit dieser Erkenntnis umgehen?

Und hier gibt es kein richtig oder falsch. Es geht nicht um ein „ich sollte“ oder „das geht aber nicht“, sondern es geht um ein langsames in Kontakt kommen mit den eigenen Bedürfnissen und Kompetenzen, die wir in solchen Situationen fühlen.
Es ist völlig in Ordnung sich an Sonntagen für die Opferhaltung zu entscheiden, sich selbst zu bemitleiden und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit zu entwickeln. Wir entscheiden uns dafür, also leben wir auch mit den Konsequenzen. Der Wachstumsschritt, der in diesem Prozess steckt ist die Tatsache des bewussten Entscheiden im Gegensatz zum überflutet werden. Dieses Wachstum passiert nicht von heute auf Morgen, sondern bedarf einiger Arbeit und Auseinandersetzung mit sich selbst. Vielleicht stehst Du noch an dem Punkt, an dem Dich immer wieder alles überrollt und Du dich handlungsunfähig fühlst. Das ist vollkommen in Ordnung. Du bist in Ordnung. Vielleicht hast Du aber  beim Lesen dieses Artikels zum ersten Mal gemerkt, dass bei Dir ein Muster abläuft. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt auf Deinem Weg. Sei stolz darauf! 

Die beschriebene Opferhaltung ist nur eine Entscheidungsmöglichkeit unter Vielen. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass sie eine sehr hartnäckige sein kann und dass es immer wieder Mut, Entscheidungswillen und manchmal auch Überwindung braucht um ihr etwas entgegen zu setzen. 

Hast du Lust auf ein kleines Experiment für nächsten Sonntag ?
 
Für mich war es ein erster Erfolg, wenn es mir gelungen ist nicht den ganzen Tag in dieser Stimmung zu bleiben. Das waren am Anfang oft nur kurze Momente, in denen ich mich „befreien“ konnte. Mal ein Spaziergang, mal das gemütliche Duschen, mal ein neues Rezept ausprobieren und mir etwas schönes kochen und manchmal auch der Film am Abend. In diesen Momenten habe ich nach und nach gelernt mich selbst mit meinen Bedürfnissen wieder zu spüren, mir selbst etwas Gutes zu tun. Die Ruhe zu genießen. Mein Tempo, meine Entscheidung. Keine Diskussion, kein Kompromiss. Einfach nur ICH.

Ich möchte dich ermutigen kleine Anker für Dich selbst zu finden und auf diesem Weg immer öfter aus der Opferhaltung herauszukommen.

Weißt Du was das schöne an Sonntagen ist? Es sind Tage, die unzählige Möglichkeiten für uns bereit halten!  Das tut grundsätzlich jeder Tag, aber Sonntage sind nochmal etwas ganz besonderes. Sonntage haben eine andere Dynamik. Sie sind ruhiger, das Hamsterrad fängt nicht schon Morgens an. Wir können ausschlafen, gemütlich frühstücken, den ganzen Tag im Schlafanzug bleiben, die Natur genießen, wir haben in der Regel keine Termine, müssen meistens nicht arbeiten, sind nicht fremdbestimmt, können ein Buch lesen, kreativ sein, Kaffee trinken gehen, Sport machen. Was auch immer! Eigentlich der perfekte Tag, oder?

Und Sonntage sind auch Tage, an denen wir immer wieder mutig sein dürfen. Jeder von uns hat andere Themen und Situationen, für die er oder sie Mut braucht.
Eines meiner Themen ist die Tatsache, dass ich mich Sonntags nicht traue Freunde mit Partner und/oder Familie zu fragen, ob wir etwas gemeinsam unternehmen wollen. Ohne die Anderen zu fragen, nehme ich, bedingt durch meine Glaubenssätze und Erfahrungen an, dass sie kein Interesse haben. Ich möchte mich nicht aufdrängen und es ist auch ein wenig Angst davor da abgelehnt zu werden.
An dieser Stelle darf ich noch mutiger sein. Die Erkenntnis, dass ein „Nein“ nicht bedeutet, dass ich es nicht wert bin, sondern einfach nur zeigt, dass das Bedürfnis der Anderen an diesem Tag von meinem Bedürfnis abweicht, hilft mir bereits anders mit der Situation umzugehen. Aber ich will auch ehrlich sein: Ich darf noch mutiger werden!

Kennst Du Deine Themen, bei denen Du noch mutiger sein darfst?

Ich freue mich über Deine Anfrage oder Dein Feedback!